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Taktisch nicht die beste Argumente, aber das Herz am richtigen Fleck
In dem sie genau das selbst tun, was sie Boris vorwerfen?
Haben sie ja nicht. Dass Palmer die Kinder dumm anmacht, ist tatsächlich ein Problem, nicht wie das erste-Klasse fahren.
Richtig. Wenn jemand mit einem zweite-Klasse-Ticket in der ersten Klasse sitzt, dann ist das ein Verstoß gegen die Beförderungsbedingungen und die Bahn darf von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und eine Strafzahlung verlangen. Das ist Angelegenheit der Bahn.
Herr Palmer arbeitet nicht für die Deutsche Bahn und hat keinerlei Autorität, irgendwen zu konfrontieren. Das war der erste Übergriff seinerseits.
Der zweite war, dass er dann auf ein “halt die Fresse” damit reagiert hat, einen Dienstausweis zu zücken und Personalien aufnehmen zu wollen. Das ist eine direkte und unnötige Eskalation.
Aber es geht noch weiter: Dass Polizisten besonders gegen Beleidigung geschützt sind hängt damit zusammen, dass uniformierte Polizisten im Einsatz eine gewisse Autorität brauchen, um ihre Arbeit effektiv verrichten zu können. Wenn die untergraben wird, wird das mit der öffentlichen Ordnung schwerer. (Was man jetzt von der Polizei hält sei dahingestellt, aber so die Theorie.) Wenn er jetzt als Oberbürgermeister zur Polizeibehörde gehört, dann hat er technisch gesehen auch diesen Schutz, aber der ist an sich nicht dafür gedacht, irgendwelche Verwaltungsbeamte zu schützen, bei denen ohne Dienstausweis gar keine Zugehörigkeit zur Polizei erkennbar ist. Also haben wir eine gefühlte (wenn auch nicht rechtliche) Amtsanmaßung.
Er präsentierte sich als unnötig autoritär, wandte diese Autorität in einer unangemessenen Situation an, nutzte einen von Amts wegen vorhandenen Status als Polizeibeamten für weitere Eskalation, und wunderte sich dann, wenn das in der Öffentlichkeit irgendwie nicht gut ankam. Und war noch baffer, wenn ihm nicht der gebührende Respekt gezollt wurde, nachdem er dem Jugendlichen gegenüber keinerlei Respekt gezeigt hat.
Man würde erwarten, dass ein Berufspolitiker ein besseres Gefühl für Optik hat.
Wenn er jetzt als Oberbürgermeister zur Polizeibehörde gehört
Das wäre nicht mal die richtige Polizei, sondern das Ordnungsamt, das wesentlich weniger Befugnisse hat, als die echte Polizei, die keine kommunale, sondern eine Landesbehörde ist und deren Personal, (insbesondere außerhalb der Verwaltung) fast ausschließlich aus Beamten besteht, die einen Amtseid geleistet haben. (Ordnungsämter arbeiten mittlerweile aus Kostengründen größtenteils mit Angestellten) Viele Ordnungsbehörden schimpfen sich zwar inzwischen “Stadtpolizei” oder “Kommunalpolizei”, um sich wichtig zu machen, aber das ändert nichts an ihren doch sehr beschränkten Befugnissen. Für die meisten polizeilichen Maßnahmen müssen die die Polizei rufen, auch wenn sie das nicht unbedingt wahrhaben wollen.
Also soll man sich einfach so ein “Halt die Fresse” gefallen lassen? Für mich ist das hier einfach ein typischer Fall von FAFO.
War es, aber nicht so, wie du denkst. Herr Palmer hat FA, indem er sich unberechtigt als inoffizieller Zugbegleiter aufgespielt hat. Das FO bestand dann aus einer mäßig schweren Beleidigung. Das ist keine besonders schwere Konsequenz.
Die Reaktion ist jetzt zwar unfreundlich, rechtfertigt aber keineswegs, dass jemand, der von Amts wegen technisch gesehen Mitglied beim Ordnungsamt ist, plötzlich Personalien aufnehmen will – zumal er in der Konfrontation der Aggressor ist. Das ist noch mal FA und dann Weinen, wenn man FO, dass die öffentliche Meinung nicht auf der eigenen Seite ist.
was bedeutet denn jetzt FA und FO?
FAFO -> fuck around and find out. Ich habe das dann halt aufgeteilt.
die Kinder
Verkindlichung von Jugendlichen ist mit einer der Gründe, warum die immer respektloser werden, denn die geben nur die Respektlosigkeit zurück, die sie ständig erfahren.
Das wirkt für mich eher wie; “Bonzi McBonz will keinen Wahlpöbel in seiner ersten Klasse!”
Was mich stört, ist, dass Herr Palmer sich hier als großer Regelbewahrer aufspielt in einem Konflikt, der eigentlich komplett erfunden ist und ihn auch nichts angeht. Der Zug bewegt die gleiche Masse an Menschen, egal ob die in der ersten oder zweiten Klasse sitzen, es handelt sich dem Text nach auch nicht um ein Ruheabteil oder Ähnliches.
Und anders als bei akuten Gefahrensituationen wäre hier ein sofortiges Eingreifen ja absolut nicht nötig gewesen und hätte getrost dem dafür zuständigen und befugten Personal überlassen werden können. Und genau deswegen wirkt es für mich eben so, als würde sich der feine Herr mehr darüber echauffieren, dass diese “Geringverdiener” es wagen, sich einen besseren Platz zu suchen, als wirklich Fehlverhalten ansprechen zu wollen. (Ich darf ja auch nicht jeden Nazi verhaften und müsste mich stattdessen an die Polizei wenden, aber ich bin ja auch nur Wahlvieh…)
Des Weiteren hätte er ja auch, wie es für einen Volksvertreter ja eigentlich üblich sein sollte, das Gespräch mit diesen potenziellen Wählern suchen können, um herauszufinden, WARUM sie sich in die erste Klasse setzen wollten. War der restliche Zug überfüllt und die erste Klasse mal wieder komplett leer? Gab es in der zweiten Klasse Probleme mit anderen Fahrgästen? usw. usf.
Aber nein, Herr Palmer verteidigte hier lieber die finanziellen Interessen eines 100% staatlich gehaltenen Privatkonzerns, der regelmäßig mit Steuergeldern subventioniert wird und trotzdem unverschämt teuer ist.
Das finde ich aber zu kurz gegriffen. Ich finde, er hat schon einen Punkt, dass es gewisse Normen und Regeln gibt.
Und sich in die erste Klasse zu setzen, aber dafür nicht zu bezahlen ist grundsätzlich erstmal nicht OK. Ist ja auch etwas, worüber sich die Bahn finanziert. Ob die Bahn jetzt schlecht oder gut wirtschaftet oder geführt wird, hat damit ja auch nichts zu tun.
Selten so viel Blödsinn gelesen.
“Herr Lehrer Sie haben noch gar nicht die Hausaufgaben kontrolliert.”

Die erste Klasse in Zügen gehört abgeschafft, sich dagegen zu wehren und die erste Klasse zu besetzen ist ziviler Ungehorsam, kein Fehlverhalten.
Sich dagegen ohne “Not” in anderer Leute Angelegenheiten einzumischen und Hilfssherriff zu spielen ist einfach nur peinlich.(Not in Anführungszeichen, weil ich damit nicht nur einen Notfall, akute Gefahr oder so meine, sondern auch Lärmelästigung, dreckige Schuhe auf den Sitzen oder ähnlichen unsozialen Scheiß.)
Es ist Not, wenn die 2.-Klasse-Plebs mir die 1.-Klasse-Luft wegatmen. Atemnot.
Was Hilfssherriff spielen angeht stimme ich dir vollkommen zu, bei der ersten Klasse allerdings nicht. Mein Vater ist zum Beispiel immer erste Klasse gefahren - nicht weil er reich, sondern immungeschwächt war und dort größeren Abstand zu anderen Menschen halten konnte. Auch für Menschen mit sensorischen Verarbeitungsstörungen kann die ruhigere Umgebung in der ersten Klasse ein Segen sein.
Mein Vater ist zum Beispiel immer erste Klasse gefahren - nicht weil er reich, sondern immungeschwächt war und dort größeren Abstand zu anderen Menschen halten konnte. Auch für Menschen mit sensorischen Verarbeitungsstörungen kann die ruhigere Umgebung in der ersten Klasse ein Segen sein.
Okay, und was ist mit den immungeschwächten Menschen oder Menschen mit sensorischen Verarbeitungsstörungen, die sich kein Erste-Klasse-Ticket leisten können? Hi, ADHSler hier, ohne geräuschdämpfende Kopfhörer komm ich in Massentransportmitteln überhaupt nicht zurecht und bin auf Dauerstressmodus, aber mit Bürgergeld ist nie ein Erste-Klasse-Ticket drin.
Ich weiß, dass es Menschen gibt, die mehr Raum und Ruhe brauchen. Dafür sollte man aber nicht in der Lage sein müssen, sich den Aufpreis für die erste Klasse leisten zu können. Stattdessen wäre es doch sinnvoller, mit dem Platz, der derzeit auf die absolut niemals ausgelastete erste Klasse entfällt, die Abstände zwischen den Sitzen zu vergrößern, in regelmäßigen Abständen Lärmschutzwände zu verbauen und ähnliche Lösungen zu finden, die keinen Aufpreis kosten.
Okay, und was ist mit den immungeschwächten Menschen oder Menschen mit sensorischen Verarbeitungsstörungen, die sich kein Erste-Klasse-Ticket leisten können?
Die können dann nicht mit dem Zug fahren, was natürlich ungerecht ist. Allerdings würdest du mit der Abschaffung der ersten Klasse dann nur erreichen, dass noch mehr Menschen nicht mit dem Zug fahren können. Da würde auch eine geringfügige Vergrößerung des Platzes zwischen den Sitzen nicht helfen.
Stattdessen würde ich eher vorschlagen, dass Menschen in deiner Situation sich den Aufpreis für ein Erste-Klasse Ticket von der Krankenkasse bezahlen lassen können.
Ich finde wenn man argumentiert, dass es gar keine Preis/Qualitätsunterschiede geben darf, macht man ein großes Fass auf. Soll es bei Nachtzügen dann auch nur noch Liegewägen geben und keine Kabinen mehr? Am Ende des Tages erreicht man damit dann nur dass weniger Leute öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
Dein Vorschlag baut keine Hürden ab, es baut welche auf. Nicht nur, dass man zumindest in Vorkasse gehen können müsste, es erforderte dann Aufwand, sich das Geld zurückzuholen. Und es gibt Bearbeitungszeiten, die (das weiß ich aus eigener, leidvoller Erfahrung) auch gerne mal länger sein können als man sich das als Sozialhilfeempfänger leisten kann.
Am Ende des Tages erreicht man damit dann nur dass weniger Leute öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
Das bezweifle ich stark. Ers recht bezweifle ich das unter Voraussetzungen, die den ÖPNV insgesamt verbessern würden. Größere Sitzabstände, Schallschutzwände, höhere Taktung um die Auslastung gerade in Stoßzeiten zu entzerren, mehr Strecken, grundsätzlich barrierefreie Bahnhöfe und Haltestellen etc.
Wenn du mich fragst, sollte der ÖPNV sowieso bei Benutzung kostenfrei sein. Dann hätten 1.-Klasse-Abteile auch keinen Sinn mehr.Was macht dein Vater eigentlich, wenn die 1. Klasse doch mal voll besetzt ist?
Größere Sitzabstände, Schallschutzwände, höhere Taktung um die Auslastung gerade in Stoßzeiten zu entzerren, mehr Strecken, grundsätzlich barrierefreie Bahnhöfe und Haltestellen etc. Wenn du mich fragst, sollte der ÖPNV sowieso bei Benutzung kostenfrei sein. Dann hätten 1.-Klasse-Abteile auch keinen Sinn mehr.
Klar, wenn man das alles machen würde - sicher, klingt gut. Aber wir kennen beide den Zustand der Bahn in Deutschland. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann in den nächsten Jahrzehnten so viel Geld in die Hand genommen wird dass nicht nur die marode Infrastruktur repariert werden kann sondern das System auch noch in dem Ausmaß verbessert wird, geht gegen null. Da empfinde ich meinen Vorschlag, auch wenn er mit mehr individuellem Aufwand verbunden ist, doch als realistischer.
Was macht dein Vater eigentlich, wenn die 1. Klasse doch mal voll besetzt ist?
Naja, was soll er da schon machen? Sich irgendwo ins hinterste Eck setzen und hoffen, dass er sich nichts einfängt. Oder eben, wenn das schon von vornherein ersichtlich und die Fahrt nicht essenziell ist, nicht Bahn fahren.
Aber wir kennen beide den Zustand der Bahn in Deutschland. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann in den nächsten Jahrzehnten so viel Geld in die Hand genommen wird dass nicht nur die marode Infrastruktur repariert werden kann sondern das System auch noch in dem Ausmaß verbessert wird, geht gegen null.
Wir wissen beide, dass die Abschaffung der Ersten Klasse nirgends ernsthaft diskutiert wird, außer in den Utopievorstellungen einiger Linker. Und zu diesen Vorstellungen gehört auch immer die Modernisierung des ÖPNV insgesamt. Solche Forderungen stehen nie für sich alleine.
Da empfinde ich meinen Vorschlag, auch wenn er mit mehr individuellem Aufwand verbunden ist, doch als realistischer.
Du meinst, weil nicht gerade tatsächlich mal wieder diskutiert wird, den Leistungsumfang der Krankenkassen zu reduzieren wie als man Brillen daraus entfernt hat?
Und zu diesen Vorstellungen gehört auch immer die Modernisierung des ÖPNV insgesamt.
Man müsste nicht mal modernisieren. Bei der Bahn würde zurück in die 1980er reichen. Bei der Bundesbahn gab es auch in Regionalzügen in der 2. Klasse noch Abteile. Und die Sitze waren echt bequem, schön gepolstert, nicht der harte Scheiß, den die heute als Sitze verkaufen.
Ne, die zweite Klasse gehört abgeschafft.
Es gibt zwei Typen von Linken: Die einen fordern die Abschaffung der 1. Klasse bei der Bahn, damit alle Menschen gleich 2. Klasse fahren. Ich bin ganz anders: Ich fordere die Abschaffung der 2. Klasse, damit alle 1. Klasse fahren können. Und es sich leisten können.
- Gregor Gysi
Ok, Brudi. Lass über Semantik schwafeln statt tatsächliche Dinge. Das ist ja so zielführend.
Ich finde eine 1.Klasse als “Business Class” also für Menschen, die während der Fahrt arbeiten müssen, schon sinnvoll. Man hat mehr Platz, mehr Ruhe und es ist etwas angenehmer.
Das muss die Kapazität der Strecke aber auch hergeben. Wenn die 2.Klasse komplett überfüllt ist, sollte es keine 1.Klasse geben.
Würde mich interessieren was ihr alle so zu dem Fall denkt.
Einerseits finde ich es etwas lächerlich und überzogen als OB den Verkehrspolizisten zu spielen und Personalien aufzunehmen.
Andererseits beklagen ich auch immer wieder und mehr, was wir Leuten in den Öffis alles durchgehen lassen. Gruppen die rum pöbeln, laute Beleidigungen bis hin zu Drohungen sind halt echt an der Tagesordnung. Bin neulich im Regio fast von nem besoffenen Fußballfan zusammenschlagen worden, weil ich eingegriffen hatte nachdem er ne junge Mutter beleidigt hatte bis die aus dem Zug geflohen ist. Anstatt die Arschlöcher in ihre Schranken zu weisen haben alle nur betreten weg geschaut.
Ich sehe also absolut den Punkt, dass wir im öffentlichen Raum wieder mehr von uns gegenseitig grundlegenden Anstand einfordern sollten und auch dafür eintreten, was wir für richtig halten.
Ob das mit einschließt als OB die Fahrgastregeln der 1. Klasse im Regio zu verteidigen kann man vermutlich diskutieren.
Das ist ja alles aus Palmers Sicht und im Nachhinein verfasst und begründet. Angesichts von Palmers Persönlichkeit, kann ich mir gut vorstellen das Palmer sich in der Situation gerne wichtig machen und die Jugendlichen ein bisschen einschüchtern wollte. Das ist dann nach hinten los gegangen und er stilisiert sich jetzt als das Opfer.
Ich kann mir nicht vorstellen das die halbe Erste Klasse einer Bahn sich mit pöbelnden Jugendlichen gegen einen armen rechtschaffenen Palmer solidarisiert.
Edit: Anzeichen dafür das ich hier eventuell richtig liege, ist das Palmer jetzt seine Reichweite dafür nutzt, seine Version der Geschehnisse zu verbreiten. Mit entsprechenden Narrativ. Als Tübinger würde ich mich ja jetzt auch fragen ob mein Bürgermeister nix besseres zu tun hat als in einer Bahn - in der er kein Hausrecht hat - die Fahrscheine zu kontrollieren.
Palmers Verhalten war unangemessen.
Mit dem falschen Ticket in der ersten Klasse fahren ist ein Verstoß gegen die Beförderungsbedingungen des Zugbetreibers. Das geht mir persönlich am Arsch vorbei; ich arbeite nicht für die Bahn. Wenn die Leute sich in dann unangemessen verhalten, ist das ein Problem – aber das wäre es auch, wenn sie sich ein richtiges Ticket hätten. Das ist vollkommen orthogonal zueinander.
Insofern habe ich am Verhalten des Jugendlichen per se nichts auszusetzen. Das schließt potenzielles späteres Fehlverhalten nicht aus, aber dafür gibt es keine Anzeichen.
Palmer hingegen hat sich erst mal aufgeführt, als wäre er ein Zugbegleiter, und hat den Jugendlichen konfrontiert. Er arbeitet aber nicht für die Bahn und hat keine Autorität in der Sache. Also wäre hier Palmer der Unruhestifter.
Als der Jugendliche sich dann unhöflich aus der Unterhaltung entfernt hat, hat Palmer (der zuvor nicht als Angehöriger der Polizeibehörde zu erkennen war) ein für Streifenpolizisten intendiertes Privileg angerufen, und wollte wegen der wahrgenommenen Beleidigung Personalien aufnehmen. Wie gesagt: Er war als Polizist nicht erkennbar und ist ohnehin nur über seinen Titel als Oberbürgermeister Teil der Polizeibehörde.
Das ist ein massiver Übergriff. Als Bürgermeister mag er technisch gesehen in der Lage sein, das zu tun, aber gesellschaftlich werden hier Grenzen überschritten. Und als Leute das dann kritisieren, zeigt er sich empört, weil er davon ausgeht, dass er als Oberbürgermeister Tübingens das Recht hat, sich jederzeit zu verhalten, als wäre er ein hybrider Zugbegleiter/Bundespolizist.
Ganz ehrlich: Den Leuten in den Öffis weniger durchgehen lassen kann nicht bedeuten, eine solche grundlose Eskalation zu tolerieren.
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Leute dürfen sich also asozial verhalten, solange es die “Richtigen” trifft?
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Bist du sicher?
Das heißt, wenn ein jugendlicher Migrant im Bus neben Oma Edeltraud sitzt, ist es ok, wenn er sich ihr gegenüber asozial verhält, weil er als Mensch mit Migrationshintergrund marginalisierter ist als eine biodeutsche Oma in der Rentnerrepublik? Oder doch nicht, weil er ein Mann ist und sie eine Frau? Oder er ist jung und sie alt? Was, denn sie einen Pelzmantel trägt und er nur ausgetretene Sneaker? Was, wenn er für seine sexuelle Orientierung diskriminiert wird?
Ehrlich gesagt: wenn ich jemanden auf der Straße erlebe, der sich scheiße verhält, sei es pöbelnd in der Bahn, mit seinem Auto auf der Busspur am Stau vorbeibrausend, ist mir scheiß egal, welcher sozialen Kaste derjenige angehört: er/sie/* handelt asozial und ich sehe nichts, was das rechtfertigen könnte.
Du hast einfach nicht verstanden, was “nach oben treten” heißt. Wenn die Omi und der Migrant nebeneinander im Bus sitzen, ist erst mal davon auszugehen, dass beider der gleichen Klasse angehören. Damit ergibt dein Rage-Bait-Beispiel natürlich keinen Sinn mehr.
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Rofl. Erste Klasse in der S-Bahn ist für euch schon „nach oben“ treten. Ich lach mich schlapp.
„Lass die Plebs sich mal selber verprügeln“ denken Merz und Freunde in ihren Privatfliegern.
Ja eben. Weil der ganze Blick durch diese rosarote “Klasse”-Brille in den wenigsten Fällen Sinn ergibt, da diese suggerierte Trennung im Alltag schlicht nicht da ist.
Warum ist davon auszugehen, dass Omi und Migrant nebeneinander im Bus der gleichen Klasse angehören? Omi kann ein Einfamilienhaus besitzen und 250.000 € bar im Keller liegen haben. Ist sie in der gleichen Klasse wie der Migrant, der alle paar Monate der Behördenwillkür ausgesetzt ist und mit einem Bein im Abschiebeflugzeug steht? Wenn der Kontrolleur in den Bus kommt, wessen Fahrschein wird wohl genauer untersucht?
Wen treten denn ein paar Jugendliche, die für sich entscheiden, dass sie ab jetzt in der 1. Klasse sitzen? Leute, die in der 1. Klasse sitzen und nun mit der Anwesenheit der Jugendlichen leben müssen? Oder vielleicht doch andere Leute in der 2. Klasse, die sich im Gegensatz zu ihnen nicht das Recht nehmen, sich einfach einen Platz zu nehmen in einem Bereich, für den sie nicht bezahlt haben?
So ein Ansatz wie der von den Jugendlichen funktioniert nur, weil es eben nicht jeder macht, weil die anderen nicht ihre eigenen Regeln machen. Mir fällt es schwer, dem zu applaudieren.
Das ist eine ziemlich makabere Formulierung nachdem gerade ein Schaffner totgeschlagen wurde.
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Also der Zugbegleiter hat eigentlich im Zug und den meisten Interaktionen dort wesentlich mehr Autorität als irgendein Bürgermeister. Im sozialen Kontext Zug ist der absolut “oben”.
Legitimierte Autorität anzuerkennen ist in dem Fall einfach Teil von geordneten sozialen Interaktion in einer Gesellschaft.
Gesellschaftliche Verteilungsfragen usw. kann man m.E. gut mit einem Schichtenmodell auch moralisch analysieren und da muss man moralisch wenig Hemmnisse haben, die oberen sozialen Schichten mit Samthandschuhen anzufassen…
ABER ich finde sozialer Anstand und das zwischenmenschliche Miteinander ist davon nur in Extremfällen berührt.
Palmer hätte die Jugendlichen nicht herablassend behandeln sollen. Die Jugendlichen hätten nicht mit Beleidigungen um sich schweißen sollen.
Dass Palmer Bürgermeister ist gibt ihm keine legitime Autorität im Zug, aber gibt m.E. auch der Gesellschaft keinen Freifahrtschein ihm prinzipiell zynisch und beleidigend zu begegnen weil der gesellschaftlich irgendwo “oben” steht.
Laut Palmer diskutierten mehrere Jugendliche, ob sie trotz fehlender Berechtigung in der ersten Klasse Platz nehmen sollten. Nachdem sie zunächst in der zweiten Klasse geblieben waren, sei einer von ihnen in die erste Klasse gekommen – offenbar in der Annahme, es gebe keine Kontrolle. Palmer habe diesen konfrontiert und ihn darauf hingewiesen, dass sein Fahrschein für den Bereich „nicht ausreiche“, wie ihm bewusst sein müsse.
Wüsste gerne wie genau der Teil des Gesprächs war. Klar. Ist erst mal eine Bagatelle und wenn der Jugendliche erwischt wird erst mal sein Problem. Aber der Ton macht die Musik. Bei so einem Gesprächsverlauf hier würde ich seine Aufregung verstehen - auch um das Verhalten der anderen:
Hey, ich hab eure Diskussion mitbekommen. Ist deine Entscheidung, aber wenn der Schaffner dich erwischt, passiert (…).
Halt die Fresse!
Irgendwie hab ich aber den Verdacht, dass es eher in diese Richtung lief:
Hey, du weißt doch genau, dass du mit deinem Ticket hier nicht rein darfst, also geh wieder in die zweite Klasse wo du hingehörst!
Halt die Fresse!
Das wäre dann eben ein typischer Fall von “wie man in den Wald hinein ruft, schallt es heraus”. Und so sehr ich es auch hasse, wenn Leute auf regeln und Konventionen scheißen - hier wäre ich auch auf der Seite des Jugendlichen…
Boris Palmer beklagt Ton und Umgang, schreibt aber selbst, dass er die Jugendlichen geduzt hat.
Wo ist das ein Problem Jugendliche zu duzen? Und man kann doch ernsthaft nicht duzen auf die gleiche Ebene stellen wie Beleidigungen.
Jugendliche können auch junge erwachsene sein. Wer sich über Ton und Umgang beschwert sollte mit gutem Beispiel voran gehen.
Als Mitglied der “jungen Erwachsenen” muss ich sagen, dass wir uns in der Regel nicht am Duzen stören und es grundsätzlich nicht als inhärent schlechten Ton/Umgang wahrnehmen, jedenfalls nach Erfahrung aus meinem eigenen Umfeld.
Und generell gehört das Siezen auch einfach abgeschafft. Diese unnötig aufgebaute Distanz zu anderen Personen und vor allem die sprachliche Unterwerfung gegenüber jeglicher (als solche wahrgenommene) Autorität ist einfach dämlich. Norwegen und Dänemark bspw. haben das größtenteils bereits begriffen, die Deutschen brauchen wohl wieder ein bisschen mehr Zeit.
Letztendlich wäre das Verhalten von Boris auch mit dem Siezen nicht besser gewesen. Und dass ausgerechnet eine Lehrerin sich darüber beschwert ist auch irgendwie lustig :)
Egal, was Boris Palmer macht, er ist schon alleine aufgrund seiner Art im Unrecht und eskaliert Konflikt auch unnötig. Wenn wir über solche Themen reden, sollten wir Boris Palmer einfach ignorieren. Und den Darstellungen von ihm selbst auf Facebook sollte man auch einfach nicht glauben.
Er hat definitiv mit dem Ausweis die sogenannte “small dick energy” (sorry, will niemanden verletzen).
Andererseits ist die Haltung der anderen auch bedenklich. Die Lehrerin hat sich echt nicht mit Ruhm bekleckert. Amtseid hin oder her.
Ich würde fast sagen “ASA” (alle sind Arschlöcher) bei der Story.
Oh mein GOTT was für ein Opfer. Holy Shit.
[…] habe der Jugendliche ihm „Halt die Fresse“ zugerufen […] Er habe den Jugendlichen daraufhin zur Rede stellen wollen […] Wegen der Beleidigung
“Halt die Fresse” ist eine Beleidigung?
Ja.
Für einen hochwichtigen Großkotz wie Boris Palmer schon.
@trollercoaster @Localhorst86
Mit schnell gezücktem Dienstausweis als Leiter der Ortspolizeibehörde, um seine Allmachtsphantasien auszuleben.Was für 1 Pimmel, ey
*klopf klopf*
Geh mal zur Tür, die Bullen wollen was von dir.
Keine Angst, der Boris ist nur Bürgermeister, kein Innenminister, der kann Dir kein SEK schicken, sondern maximal das Ordnungsamt von Tübingen. Und wenn die einfach so ungefragt bei Dir reinkommen, kannst Du die richtige Polizei rufen, die verhaftet die dann.
Boris Palmer sollte lernen seine Fresse zu halten.
Wenn sich durchsetze, dass Menschen, die Normen einfordern, sich rechtfertigen müssen, sei „etwas grundlegend schiefgelaufen“ im gesellschaftlichen Verständnis von Ordnung und Respekt
Man kann zu ihm und dem latenten Sheriff-Gehabe sicher stehen, wie man will - damit hat er allerdings recht.
Ne, hat er nicht. Man kann nicht einfach blind Normen einfordern, weil es Normen sind. Historisch gab (und gibt) es unzählige schädliche, unfaire und ungerechtfertigte Gesellschaftsnormen, die wir zurecht abgeschafft haben (und noch abschaffen müssen).
Zumal er Normen einfordert, während er sich Autorität anmaßt, die er nicht hat. Wenn er als Fahrgast jemanden wegen eines fehlenden Fahrscheins konfrontiert, dann macht ihn das nicht zu einem Zugbegleiter im Ehrenamt, sondern zu einem Unruhestifter.
Ne, hat er nicht. Zumindest nicht pauschal. Er hat halt Schiss davor, dass sich der Pöbel Gedanken über klassistische Bullshit-Normen Gedanken macht.
In einer Gesellschaft geht es nur, wenn es die universelle Bereitschaft gibt, sich an gewisse Regeln zu halten - und nicht nur die, auf die man gerade Bock hat.
Macht du die Dose auf, dass Leute doch ruhig auf Regeln scheißen sollen, die sie ablehnen, darfst du dich nicht wundern, wenn in Folge so gut wie jede Regel mit irgendeiner Begründung abgelehnt wird und jeder nur mehr egoistisch das macht, was er will.
Und ich gehe mal stark davon aus, dass du das letztendlich genau so scheiße finden würdest wie ich.
Wir haben schon eine Gesellschaft, in der Du ganz einfach auf Regeln scheißen kannst, wenn Du es Dir leisten kannst. Das sickert halt mehr und mehr nach unten durch. Wenigstens ein Bereich, in dem Trickle Down funktioniert! Hurrah! Dass 4 Jahrzehnte Neoliberalismus mit entsprechender Propaganda in allen Kanälen zu ausuferndem Egoismus führen, sollte ja auch keine Überraschung sein.
Und Respekt ist keine Einbahnstraße. Leute, die von einer Gesellschaft nicht respektiert werden, werden kaum die Gesellschaft und ihre Regeln respektieren.
Das mag Scheiße sein, lässt sich aber nur durch ein grundlegendes politisches Umdenken ändern. Und so Leute wie der arme unrespektierte Herr Palmer sind garantiert nicht die Politiker, die auch nur im Entferntesten daran denken, das zu tun.
Da erntet jetzt jemand, was er und Seinesgleichen gesäht haben. Gesamtgesellschaftlich betrachtet vielleicht unschön, dass es so weit kommt, aber er hat sich das verdient.
Gesamtgesellschaftlich betrachtet vielleicht unschön
So kann man’s natürlich auch ausdrücken. Denn denk das mal zu Ende: wo soll das hinführen?
In einer Gesellschaft geht es nur, wenn es die universelle Bereitschaft gibt, sich an gewisse Regeln zu halten - und nicht nur die, auf die man gerade Bock hat.
Diese Bereitschaft gibt es aber nicht, und die Dose ist bereits offen. Sonst gäbe es keine Milliardäre und die Superreichen würden ihre verdammten Steuern zahlen. Wir sind nicht die, die den Social Contract gebrochen haben, wir reagieren nur.
Diese Bereitschaft gibt es aber nicht
Doch, diese Bereitschaft gibt es im Großen und Ganzen natürlich schon noch. Die weit meisten Leute zahlen ihre Steuern, parken nicht auf dem Behindertenparkplatz, halten vor dem Zebrastreifen, rauchen nicht in der U-Bahn und probieren auch sonst, ihren Mitmenschen nicht über Gebühr auf den Sack zu gehen.
Wenn du jetzt die Verfehlungen mancher, sich an unsere Regeln zu halten, als Anlass nehmen magst, dir daraus eine Rechtfertigung abzuleiten, anderen (!) gegenüber (denn sind wir mal ganz ehrlich, selbst in der 1. Klasse der Bahn aus der Geschichte hier hat dieser romantisierte ‘Ungehorsam’ genau null Effekt auf Milliardäre und Superreiche - für die sind schließlich alle Leute, die Bahn fahren müssen, aus der “Unterklasse”, egal ob da jetzt ein gelber Streifen auf dem Waggon ist oder nicht) ebenfalls auf die Regeln zu scheißen, frage ich mich wirklich, was dein Long Game bei der Sache sein soll. Denn für mich läuft das nur wieder darauf hinaus, dass sich das Recht des Stärkeren durchsetzt. Wie das marginalisierten Gruppen zuträglich sein soll, ist mir schleierhaft.
Das scheitert alleine schon daran das Recht ausgelegt und nicht angewendet wird.
Plus bin ich froh das früher alle brav heterosexuell waren ohne das zu hinterfragen bis Homosexualität ohne Grund aus heiterem Himmel legalisiert wurde, worauf sich einigen Menschen gedacht haben “na dann werd ich jetzt schwul wo es doch erlaubt ist”
Plus bin ich froh das vor der Legalisierung niemand gekifft hat und die Politik ohne irgendeinen Grund beschlossen hat “niemand kifft, also Zeit zu legalisieren”
Normen sind gelebte Übereinkünfte und das Recht die Kodifizierung unserer Gesellschaft. Es ist ein interessantes Zwischenspiel aber zu sagen “Gesetz ist Gesetz und Punkt” könnte realitätsferner nicht sein.
Das scheitert alleine schon daran das Recht ausgelegt und nicht angewendet wird.
Die Regeln, die der Leim einer Gesellschaft sind, sind aber für gewöhnlich die, wo es eigentlich nix auszulegen gibt. Ich darf dir nicht einfach dein Fahrrad wegnehmen, du darfst mir nicht einfach so den Schädel einschlagen. Wir dürfen nicht mit Gewehr ins Einkaufscenter, müssen an der Kasse bezahlen und bei rot anhalten. Das ist so und zumindest ich find’s in Ordnung.
Die meisten dieser Dinge regeln das Verhältnis zwischen Belangen des Einzelnen und Kosten der Gesellschaft. Die Kosten für die Gesellschaft ändern sich nicht mit dem Geschlecht der Person, die ich liebe. Ebenso die Frage, ob ich kiffe oder nicht (sofern mein Konsum keine Folgeschäden hat). Das mag ein Hinterwäldler anders sehen, aber wir beide wissen es wohl besser.
Normen sind gelebte Übereinkünfte und das Recht die Kodifizierung unserer Gesellschaft. Es ist ein interessantes Zwischenspiel aber zu sagen “Gesetz ist Gesetz und Punkt” könnte realitätsferner nicht sein.
Da stimme ich dir voll zu. Mir geht’s auch gar nicht um blinden Kadavergehorsam, ‘weil Regeln immer recht haben’ oder so. Sondern darum, dass ich schon meine wahrzunehmen, dass es in der Öffentlichkeit eine zunehmende Infragestellung auch der Regeln gibt, die eigentlich sinnvoll sind.
Klar, die Regeln sind immer auch nur die, die wir uns selber geben - und wenn wir uns als Mehrheitsgesellschaft dazu entscheiden, dass sich einfach jeder, dem grad danach ist, auf den Behindertenparkplatz stellen soll, muss man das als Individuum akzeptieren. Aber kacke fände ich diese Entwicklung trotzdem.
So formuliert finde ich das fair👍
Der geneigte D&D Spieler darf sich die Frage stellen: Was ist recht und was gerecht? Wurden hier im Zug unsere Werte und Normen verteidigt, oder nur ideologiegetrieben auf Paragrafen rumgeritten?
Warum sind die Jugendlichen dahin, war der Rest vom Zug vielleicht voll? Haben die jemandem den Platz weggenommen der ihn nötiger bräuchte und hätten sie sich weggesetzt wenn das Zugpersonal - deren Aufgabe das ist - sie dazu aufgefordert hätte?
Ich glaube Werte und Normen einfordern ist wichtig, nur haben das in dem Fall wahrscheinlich eher die Mitfahrenden getan, und nicht Palmer.
Ich glaube Werte und Normen einfordern ist wichtig, nur haben das in dem Fall wahrscheinlich eher die Mitfahrenden getan, und nicht Palmer.
Ja. Gerade der Umstand, dass andere Passagiere in der 1. Klasse die Position der Jugendlichen, und nicht die von Hilfssherriff Palmer ergriffen haben, deutet schon darauf hin, dass es da nicht um Werte und Normen ging*, sondern eher darum, dass der gute Boris sich mal wieder wichtig machen wollte. Aber warum sollte das überraschen? Der ist ja bundesweit als großmäuliger Selbstdarsteller bekannt.
* Es ging schon um Werte und Normen, aber eher in dem Sinn, dass der Hilfssherriff sie mehr verletzt hat, als die Jugendlichen.
Ja, da hast du recht.
Wie gesagt, mir geht es dabei auch weniger um das Sheriff-Gehabe des B. Palmer, sondern um den grundsätzlichen Gedanken dahinter. Und da sehe ich schon die Tendenz, dass das Klima des Miteinanders im öffentlichen Raum verbesserungsfähig ist und zu viel Egoismus und Enthemmung herrscht. In einem anderen Thread hier geht es darum, dass ein Zugbegleiter nach einem Angriff bei einer Ticketkontrolle mit dem Tod ringt. Die Verbesserung fängt mit jedem von uns an.
Das Miteinander findet doch größtenteils nicht mehr statt, es wurde durch ein (bestenfalls) Aneinander Vorbei und ein Gegeneinander ersetzt. Und das systematisch und absichtlich. Ich finde es fast schon poetisch, dass hier einer der politischen Akteure, der selbst auch mit beiden Händen gesellschaftliche Spaltung gesäht hat, jetzt auch mal die Ernte dafür einfährt. ich bedaure es fast, dass er nur zurechtgewiesen wurde. Egoismus wurde schon vor Jahrzehnten zur Tugend erhoben, denn Egoisten lassen sich besser ausbeuten, weil sie sich eben nicht gegen einen geltungssüchtigen Hilfssherriff (oder einen anderen Ausbeuter) solidarisieren, wie die Fahrgäste in der 1. Klasse.
Das mit dem Fahrkartenkontrolleur ist eine schlimme Sache und sehr wahrscheinlich hat das den Falschen getroffen. (Wobei es auch in dem Bereich Leute gibt, die sich an dem bisschen Macht, das sie haben, aufgeilen, und mit Spaß Leute schikanieren. Ich kenne leider eine solche Person, und bei dem willst Du nicht im Zug sitzen, wenn Du die falsche Hautfarbe hast)
Aber einfach nur glauben, man könnte die Gesellschaft verbessern, indem man sich blind und ohne Verstand an alle Regeln hält, ist nicht zielführend. Zumal es Regeln gibt, deren alleiniger Sinn die Aufrechterhaltung oder Förderung einer gesellschaftlichen Spaltung ist.
Das Miteinander findet doch größtenteils nicht mehr statt, es wurde durch ein (bestenfalls) Aneinander Vorbei und ein Gegeneinander ersetzt.
Da stimme ich zu.
Egoismus wurde schon vor Jahrzehnten zur Tugend erhoben, denn Egoisten lassen sich besser ausbeuten, weil sie sich eben nicht gegen einen geltungssüchtigen Hilfssherriff (oder einen anderen Ausbeuter) solidarisieren, wie die Fahrgäste in der 1. Klasse.
Da nicht. Ich glaube nicht, dass Egoismus uns seit Jahrzehnten “aufgezwungen” wurde (von wem?) und auch nicht, dass man uns dann “besser ausbeuten” kann. Die Entscheidung, sich asozial zu benehmen, fällt jeder ganz für sich - und trägt folglich die Verantwortung. Ob man es nun tut, weil man keine Sanktionierung befürchtet, oder weil der Andere es ja auch macht, ist letztlich vollkommen egal.
Inwiefern lässt sich jemand, der wie die Axt durch den Wald geht und auf seine Mitmenschen keine Rücksicht mehr nimmt, besser ausbeuten, als jemand, der noch an grundlegende Werte wie Solidarität und Gemeinwohl glaubt?
Aber einfach nur glauben, man könnte die Gesellschaft verbessern, indem man sich blind und ohne Verstand an alle Regeln hält, ist nicht zielführend.
Das sage ich nicht. Ich sage, dass es der Gesellschaft massiv schaden wird, wenn man sich selber einfach nicht mehr an Regeln gebunden sieht. Denn, wie gesagt, denke das mal in seiner Konsequenz zu Ende: wer wird sich in so einer Welt durchsetzen, wer wird da am Ende die Hosen anhaben?
Fast sämtliche Medien predigen seit Jahrzehnten ein Ideal, das grenzenlosen Egoismus zur ultimativen Freiheit verklärt, und die Politik wird nicht müde, wirklich bei jedem Scheiß ständig auch bei Dingen, die ureigene staatliche Aufgaben sind, “Eigenverantwortung” zu predigen, während sie gleichzeitig dafür sorgt, dass die Leute, die sie zur “Eigenverantwortung” auffordert, dazu gar nicht in der Lage sind.
Der Egoist wird nie auf die Idee zu kommen, sich mit Anderen zusammenzutun, um sich gegen Ausbeutung zu wehren, er wird lieber nach unten treten, insbesondere, wenn ihm eingeredet wird, dass es ihm nur schlecht geht, weil ihm jemand, der es noch schlechter hat, Alles wegnimmt. Die neoliberale Rhetorik, die seit Jahrzehnten sozial schwache Bevölkerungsschichten gegeneinander ausspielt, funktioniert ja sehr gut.
Das sage ich nicht. Ich sage, dass es der Gesellschaft massiv schaden wird, wenn man sich selber einfach nicht mehr an Regeln gebunden sieht. Denn, wie gesagt, denke das mal in seiner Konsequenz zu Ende: wer wird sich in so einer Welt durchsetzen, wer wird da am Ende die Hosen anhaben?
Wir leben schon in dieser Gesellschaft. Denn nur die Leute, die sich Regelbrüche mangels Geld oder politischer Vernetzung nicht leisten können, sind noch an Regeln gebunden.
Fast sämtliche Medien predigen seit Jahrzehnten ein Ideal, das grenzenlosen Egoismus zur ultimativen Freiheit verklärt, und die Politik wird nicht müde, wirklich bei jedem Scheiß ständig auch bei Dingen, die ureigene staatliche Aufgaben sind, “Eigenverantwortung” zu predigen, während sie gleichzeitig dafür sorgt, dass die Leute, die sie zur “Eigenverantwortung” auffordert, dazu gar nicht in der Lage sind.
Mal ganz ehrlich: wenn ich vergleiche, welchen Sozialstaat ich im Vergleich zur Generation meiner Eltern genießen kann, dann habe ich da Schwierigkeiten zuzustimmen. Sowohl Pflegeversicherung als auch Kinderbetreuung waren bspw in den 80ern Privatsache. Wenn’s da akut wurde, hattest du halt Pech gehabt.
Die Sozialleistungs- und Staatsquoten sind ebenfalls nicht wirklich zurückgegangen, der Staat bewegt hier sogar mehr Geld. Nur, dank demographischem Wandel, fließt heute viel mehr Geld in Renten und Gesundheitssystem. Trotz steigender Abgaben bleibt da immer weniger übrig. Den Knoten kriegst du auch nicht mehr wirklich entheddert, denn die Politik sträubt sich, dieses Problem anzugehen. Da steckt jedoch kein elaborierter Plan im Namen des Neoliberalismus hinter, sondern schlicht deren blanke Angst vor der mächtigen Wählerschicht “Rentner” und stattdessen ein gemütlich-einschläferndes “Weiter-so!”
Wer meint, sich nicht mehr an den Regelkatalog unserer Gesellschaft halten zu müssen, handelt rein egoistisch - eine Sichtweise, die normalerweise links der Mitte verpönt ist. Wie es der Gesellschaft darüber hinaus nutzen soll, wenn sich nun jeder das Recht rausnimmt, auch dem Rest der Gesellschaft diesen “Vertrag” aufzukündigen, hat mir auch noch keiner erklären können. Ein Jens Spahn oder zwei Handvoll steuerhinterziehende Milliardäre sind für mich nicht Anlass genug, selber damit anzufangen, auf die zu scheißen, die noch mitspielen wollen beim gesellschaftlichen Miteinander.
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Ich finde die Diskussion und das gehate gegen Palmer total fehl am Platz.
Man stelle sich die gleiche Situation vor, nur anstelle von einem Bürgermeister ist es ein Fahrkartenkontrolleur. Im Ergebnis hätten die oder der Jugendliche ein Ticket bekommen und die Sache wäre erledigt gewesen. Nur weil die Person in diesem Fall einen Bürgermeister war, wird hier irgendwie die Realität Regeln, Normen und Gesetze vollkommen, außer acht gelassen und alles dreht sich nur um die Personalie. Sich jetzt in der Diskussion auf Umgangsformen und ein möglicherweise herablassendes Verhalten des Bürgermeisters zu berufen ist Spekulation. …und zu Jugendlichen du zu sagen, anstatt Sie, sollte hoffentlich keinen Grund sein, für diese verbalen Engleisungen.
Palmer muss sich nicht beschweren. Er liebt es im Mittelpunkt zu stehen und hat irgendwann festgestellt, dass er das am zuverlässigsten erreicht, wenn er polarisiert. Also polarisiert er eben. Ob mit Rassismus, Sexismus oder sonstigen Hot Takes. Wer austeilen will muss dann aber auch einstecken können und nicht die Krokodilstränen auspacken und den Niedergang der Sitten beklagen. Wie jämmerlich.
überspitzt formuliert ist also Anarchie vollkommen OK ab dem Zeitpunkt wenn der falsche was dagegen sagt.
Anarchie ist immer OK. Sogar wünschenswert. Du meinst vermutlich Anomie. Und die Bahn könnte ja beim Einlass der ersten Klasse das Ticket kontrollieren, anstatt auf das Strafrecht zur Durchsetzung ihrer wirtschaftlichen Interessen zu setzen. Palmer hat dadurch keinen Nachteil. Er hat nur Bock drauf andere auf Fehlverhalten hinzuweisen, obwohl er selbst das größte Arschloch ist. Von den vielen erbärmlichen Eigenschaften der Deutschen vermutlich die erbärmlichste. Soll er sich bei der Bahn beschweren, dass die die Jugendlichen in das Abteil lassen oder eben die Fresse halten und sich um seine eigenen Sachen kümmern.
Darf ich sie fragen ob sie hier sitzen dürfen? Das ist nämlich die erste Klasse wissen sie? Ihr Fahrschein ist doch bestimmt nicht der richtige, ich glaube ich muss den Kontrolleur informieren! 🤓🤓🤓🤓🤓🤓🤓
Wenn es jetzt darum gegangen wäre das er durch irgendetwas betroffen oder gestört gewesen wäre OK, aber was soll das denn? Das juckt doch wirklich niemanden. Und wenn es ihn stört das die 1. Klasse sich nicht mehr exklusiv genug anfühlt dann fühle ich die Opfer-Aussage von der Lehrerin sehr.
Wie gesagt, wenn sie die Schuhe auf den Sitz stellen würden, TikTok auf laut, mehr plätze besetzen als notwendig… Alles Dinge die einen als Mitfahrer tatsächlich betreffen. Aber das ist doch einfach nur erbärmlich.
Und wo ist dann die Grenze?
- Klasse Fahrschein: egal
- Klasse Fahrschein: egal Öffentliche Verkehrsmittel werden am Ende für alle teurer weil keiner mehr Tickets kauft. Gerade 1. Klasse Reisende zahlen doch schon viel mehr für ihr Ticket und sorgen damit das sich Verkehrsbetriebe besser tragen - was allen zugute kommt.
Palmer war, ist und bleibt mir unsympathisch.












