
Erst Maduro, nun der Irankrieg: Wenn Prediction Markets Schlagzeilen machen, dann meistens in Verbindung mit Insider Trading. Doch wie groß ist das Problem wirklich?
Kurz vor dem Angriff der USA auf den Iran wettete der User @Magamyman auf Polymarket auf den Militärschlag. Kurz darauf war er um mehr als eine halbe Million US-Dollar reicher. Hatte er nur Glück? Oder wusste er, was passieren wird, und profitierte durch Insiderhandel auf einem vergleichsweise lax regulierten Prediction Market?
Auf der Blockchain-basierten Plattform Polymarket kann man so ziemlich alles wetten: auf Kriegsgeschehen, den Preis von Bitcoin und Rohöl, die Anzahl von Musks Tweets in einem bestimmten Zeitraum, wie viele Vulkane ausbrechen, wie oft ein bestimmtes Wort auf einer Rede oder in einem Youtube-Video gesagt wird.
Allgemeinte Bekanntheit erlangte der Prediction Market während der US-Wahl 2024, als dort – entgegen traditionellen Meinungsumfragen – Donald Trump als nächster US-Präsident vorhergesagt wurde. Wieder in den Schlagzeilen, und diesmal wegen des Verdachts auf Insider Trading, war Polymarket während der Festnahme von Nicholas Maduro, als ein Nutzer aus 30.000 mehr als 450.000 US-Dollar machte.
Polymarket schließt Insider-Wetten nicht explizit aus
Das Risiko für Insider-Trading ist bei Wetten, bei denen bestimmte Menschen Vorwissen haben, vorprogrammiert. Und während in den AGB anderer Prognosemärkte wie Kalshi, dem größten Konkurrenten von Polymarket, Insider-Wetten explizit ausgeschlossen werden, verweist Polymarket lediglich darauf, dass sich die Nutzer an die Regeln des Landes halten sollen, in dem sie ansässig sind.
In Deutschland sind nur lizenzierte Glücksspielangebote, zum Beispiel Sportwetten bei lizensierten Anbietern, erlaubt. Wetten auf politische oder gesellschaftliche Ereignisse – sogenannte Gesellschaftswetten – sind dagegen praktisch nicht lizenzierbar und gelten daher als unerlaubtes Glücksspiel. Prediction Markets sind bislang weder klar in das deutsche Glücksspielrecht noch in das Finanzmarktrecht integriert.
In den USA werden sogenannte Event-Kontrakte zunehmend als Finanzderivate behandelt. Plattformen, die solche Märkte anbieten wollen, müssen sich bei der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) registrieren lassen.
US-Nutzer bekommen nur eine abgespeckte Version
Polymarket, ein ursprünglich offshore registriertes Unternehmen, durfte nach einer Strafzahlung mit der CFTC im Jahr 2022 mehrere Jahre lang keine US-Nutzer bedienen. Seit 2025 arbeitet das Unternehmen jedoch über eine erworbene, CFTC-lizenzierte Derivatebörse wieder am US-Markt und bietet dort eine regulierte Version seiner Prediction Markets mit KYC-Pflicht und eingeschränkter Marktstruktur an. Dass einige US-Nutzer dennoch durch ein VPN auf die uneingeschränkte Version zugreifen, ist wahrscheinlich.
Und wer prüft überhaupt, wer dort was wettet? Bisher: weniger Justiz, sondern mehr Analyseplattformen, Medien und Nutzer auf X.
So fand der Guardian beispielsweise heraus, dass mehrere neugegründete Konten das Treffen von Selenskyj und Trump Ende 2025 richtig vorhersagten, mit einem Gewinn von 154.000 US-Dollar. “Blockchain-Daten deuten darauf hin, dass die Konten möglicherweise gemeinsam geführt werden. Drei der Wallets, die diese Konten finanzieren, weisen Transaktionen untereinander auf, und vier sind mit demselben Binance-Wallet verbunden. Die Wallets interagieren häufig mit einer in der Ukraine gegründeten Kryptowährungsbörse, und eines davon zeigt die ukrainische Flagge mit dem Bio-Text #standwithUkraine” , schreibt der Guardian(öffnet im neuen Fenster) .
Im Zusammenhang mit mutmaßlichem Insider Trading und dem Irankrieg berichtete das Analyseunternehmen Bubblemaps(öffnet im neuen Fenster) von sechs Konten auf Polymarket, die kurz vor Kriegsbeginn gegründet wurden und zusammen rund 1,2 Million US-Dollar Gewinn erzielten. Sie hatten darauf gewettet, dass die USA bis zum 28. Februar den Iran angreifen würden.
Solche Nachforschungen sind möglich, weil sich Nutzer auf Polymarket mit einem Krypto-Wallet registrieren und dementsprechend sowohl Transaktionsbewegungen als auch die Aktivität und der Eröffnungszeitpunkt der Wallets auf der Blockchain für alle einseh- und auswertbar sind.



Auch meine Einschätzung.